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Persönlich, nah und bereit für einen Neubeginn: Kreativdirektor Alessandro Michele gewährt der Gucci Community Einblicke in seine Tagebucheinträge aus den letzten Monaten, die er in seinem Zuhause in Rom verbrachte.

ROM – 29. MÄRZ 2020 – AM ENDE SIND WIR KLEIN UND UNBEDEUTEND

In diesen Tagen der Isolation, in denen die Zeit stillsteht und wir uns unserer Freiheit beraubt fühlen, versuche ich, mir der Bedeutung meiner Handlungen bewusst zu werden. Für mich ist dies eine essenzielle und dringende Frage, die bedachtsames Innehalten und genaues Zuhören erfordert. Es ist der Versuch, mit liebevoller Präzision meine Ängste und Wünsche zu benennen. Es ist die Möglichkeit, der Sprachlosigkeit gegenüberzutreten, die jedes Trauma hervorruft. Am Ende eröffnen sich durch die Tragödie, die wir durchleben, neue Denkweisen. Nie hätten wir gedacht, durch ein Band aus banger, herzzerreißender Zärtlichkeit ein solches Gefühl der Verbundenheit mit dem Leben zu erfahren. Nie hätten wir es für möglich gehalten, uns auf solch tiefgreifender Ebene mit der Zerbrechlichkeit unserer schöpferischen Bestimmung auseinanderzusetzen. Mit unserem Bedürfnis nach Gegenseitigkeit. Am Ende sind wir klein und unbedeutend. Ein Wunder des Nichts. In erster Linie haben wir verstanden, dass wir unsere Grenzen überschritten haben. Durch unser rücksichtsloses Handeln brannten wir das Haus nieder, in dem wir lebten. Wir sahen uns nicht als Teil der Natur, sondern fühlten uns überlegen und allmächtig. Wir nahmen die Natur in Besitz, dominierten und verwundeten sie. Wir hetzten Prometheus auf und begruben Pan. Ein Hochmut, der uns unsere Verbindung zu den Schmetterlingen, Blumen, Bäumen und Wurzeln vergessen ließ. Eine ungeheuerliche Gier, die uns den Sinn für Harmonie und Fürsorglichkeit, Verbundenheit und Zugehörigkeit nahm. Wir schändeten die Heiligkeit des Lebens, außer Acht lassend, dass wir selbst ein Teil davon sind. Und am Ende blieb uns keine Luft mehr zum Atmen.

ROM – 7. APRIL 2020 – DARÜBER, WAS NICHT MEHR SO SEIN SOLL WIE ZUVOR
 
Nun, da wir uns völlig unvermittelt diesem verheerenden Zustand ausgesetzt sehen, gilt es darüber nachzudenken, welche Dinge nicht mehr so sein sollen wie zuvor. Denn das größte Risiko für unsere Zukunft besteht darin, unsere Verantwortung für einen echten und notwendigen Wandel abzulehnen. Unsere Geschichtsbücher sind voller Krisen, aus denen wir nichts gelernt haben. Mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Katastrophen, die man mit denselben Denkweisen bekämpfte, aus denen sie einst entstanden. Mit Wunden, die kein Umdenken bewirkten. Mit Trauer, die wir nicht ausleben konnten, um uns selbst und unser Miteinander dadurch zu verändern. Diese Krise ist eine tiefgreifende Prüfung für jeden von uns. Eine Prüfung aufgrund der mit ihr verbundenen Schmerzen, Anstrengungen und Gefahren. Doch eine Prüfung auch deshalb, weil sie uns zwingt, die Dinge zu bewerten und ein Urteil zu fällen. Durch Schmerz gelingt es uns, unsere jüngste Vergangenheit kritisch zu betrachten. Einen Blick auf all die Schulden, Irrtümer, Missklänge und Fehler zu werfen. Auf unsere Fehltritte und Leichtfertigkeiten. Auf die auffällige Abwesenheit von Gedanken, die wir nicht auszudrücken wagten. Und so kommt uns in dieser Gegenwart eine große Verantwortung zu. Denn jeder kann in seiner Rolle und durch sein Handeln Verantwortung übernehmen, um auf diese Weise ein Teil des großen Ganzen zu sein und zu molekularen, umfassenden Veränderungen beizutragen. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten ist dies für mich mit dem dringenden Bedürfnis verbunden, einen umfassenden Wandel in meiner Arbeitsweise einzuleiten. Angetrieben von einer natürlichen und zugleich freudigen kreativen Unruhe betrachte ich Veränderungen allein schon aufgrund meines Berufes seit jeher als etwas Positives. Doch diese Krise hat den Drang nach Veränderungen noch einmal auf eine Weise verstärkt, die jeden weiteren Aufschub unmöglich macht. 
 
ROM – 27. APRIL  2020 – DER BEWEGGRUND HINTER EINER ENTSCHEIDUNG 
 
Der von mir angestrebte Wandel umfasst den Wunsch, die tief liegenden Gründe wiederzuentdecken, aus denen ich einst Teil der Modewelt sein wollte. Ich spüre das Bedürfnis, die Bande zu erneuern und mich dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren, indem ich alles Unnötige hinter mir lasse. Ich sehne mich nach dem authentischen Beweggrund hinter einer Entscheidung. Die allumfassende Motivation, die meinen Weg bestimmt. Im Laufe der Zeit verstand ich, dass diese Beweggründe mit verschiedenen Namen und unterschiedlichen Intensitäten verbunden sind, aber sie alle lassen sich unweigerlich auf denselben Drang zurückführen: die Möglichkeit, etwas zu erzählen. Diese Möglichkeit, so uralt und mächtig, ließ mich stets ausdrucksstarke Brücken bauen, um Raum für den Kern all jener unaussprechlichen Dinge zu schaffen, die meine Träume erschüttern. Um die Nostalgie für das Unvollkommene zu feiern und die Schönheit zu würdigen, die von Form zu Form erblüht. Diese Möglichkeit erlaubt es mir, mit einem gelegentlichen Blick auf die Unendlichkeit das Verliebtsein in die Existenz einzufangen, die uns jeden Tag aufs Neue ereilt. 
 
ROM – 2. MAI 2020 – EIN NEUES KREATIVES UNIVERSUM 
 
Ich erkenne nun in vollem Ausmaß, dass die Möglichkeit, etwas zu erzählen, sich nicht durch die Tyrannei von Geschwindigkeit einschränken lässt. Erst jetzt bemerken wir, dass unser Handeln zu aufbrausend, unser Tun zu tückisch war. Angesichts dieses neuen Bewusstseins spüre ich das Bedürfnis nach einer neuen Zeit, losgelöst von auferlegten Fristen, die der Kreativität Fesseln anzulegen drohen. Eine Zeit, die stillstehen kann, abwartend. Die das Geschenk von Müßiggang zu überdauern mag, bedächtig. Eine Zeit, die das Versprechen einer Offenbarung hervorbringen und im Traum, im Spiel, im Unvollkommenen verweilen kann. Eine Zeit, die jetzt mehr denn je gebraucht wird, um neue, aussagekräftigere Erzählweisen entstehen zu lassen. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen, weg von Fristen, die die Branche vorgibt, und vor allem weg von einer übertriebenen Performativität, die heute keinerlei Daseinsberechtigung mehr hat. Es geht um einen grundlegenden Akt, kühn, aber notwendig, der darauf abzielt, ein neues kreatives Universum aufzubauen. Ein Universum, dessen Essenz in der Subtraktion von Ereignissen besteht und das durch die Multiplikation von Sinnhaftigkeit mit Leben angereichert wird. 
 
ROM – 3. MAI 2020 – DIE HEILIGE KRAFT, NACHHALL ZU ERZEUGEN 
 
Ich werde daher das überholte Ritual der saisonalen Kollektionen und Shows aufgeben, um einen neuen Rhythmus zu finden, der meiner kreativen Berufung näherkommt. Fortan werden wir uns nur noch zweimal im Jahr treffen, um gemeinsam in die Kapitel einer neuen Geschichte einzutauchen. Unregelmäßige, freudige und vollkommen freie Kapitel, die Regeln und Genres verschwimmen lassen und neue Räume, sprachliche Mittel und Kommunikationsplattformen erschließen werden. Und darüber hinausgehen. Ich möchte den Zwang von Leitmotiven, die unsere bisherige Welt kolonisiert haben, hinter mir lassen: Cruise, Pre-Fall, Frühling Sommer, Herbst Winter. Dies sind schale und substanzlose Wörter. Überschriften eines unpersönlichen Diskurses, der seine Bedeutung verloren hat. Realitätsferne Schubladen, aus denen sich nach und nach das Leben leerte, das sie hervorbrachte. Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Zukunft aus einem neuen Glauben heraus aufbauen können. Hier zeigt sich der Wunsch, unsere neuen Formen des Zusammenkommens auf Namen zu taufen, die einer wunderbar alten Sprache entstammen: der Sprache klassischer Musik. Symphonien, Rhapsodien, Madrigale, Nokturne, Ouvertüren, Konzerte und Menuette. Dies alles wird künftig meinen kreativen Weg bestimmen. Denn schließlich ist es die heilige Kraft der Musik, die Nachhall erzeugt und Verbindungen entstehen lässt. Sie überwindet Grenzen und schafft eine neue Bindung zwischen Zerbrechlichkeit und Unendlichkeit. 
 
ROM – 5. MAI 2020 – DIE GEMEINSCHAFT DER ZWECKMÄSSIGKEIT 
 
Während ich in diese Stille, die ihr ganz eigenes Leben hat, hineinhöre, fühle ich die Nähe zu all den außergewöhnlichen Menschen, mit denen ich verbunden bin. Die Zeit neu zu kalibrieren, sodass der Mensch mit ihrer Geschwindigkeit Schritt halten kann, ist ein Versprechen neu belebter Fürsorge für diese großartige Gemeinschaft der Zweckmäßigkeit, der ich voller Stolz angehöre. Dies ist mein Projekt, meine Projektion: die Kunst, die Existenz in die Zukunft auszuweiten. Eine Zukunft des Plurals, in der das „Wir“ die Grundlage aller Dinge ist. Eine Zukunft, die all jene Umarmungen bereithält, auf die wir heute verzichten müssen, aber zu denen wir mit einem neuen Verständnis zurückkehren werden. Mit einem Verständnis des Miteinanders und mit wiedergewonnenem Atem. Dies wird die Zeit sein, in der wir lernen werden, des Nachts auf die Geräusche des wachsenden Waldes zu hören. 
 
ROM – 16. MAI 2020 – GEQUÄLT VON DEM, WAS FEHLT 
 
Da wir nach wie vor voneinander getrennt sind, lodert meine Liebe zur Mode mehr denn je. Denn das ist es, was unsere Spezies ausmacht: Gequält von dem, was fehlt, entdecken wir unsere unendliche Liebe.
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Aus dem Tagebuch von Alessandro Michele: Der Kreativdirektor gewährt der Gucci Community persönliche Einblicke in seine Gedanken.Gedanken aus der Stille
 

Aus dem Tagebuch von Alessandro Michele: Der Kreativdirektor gewährt der Gucci Community persönliche Einblicke in seine Gedanken.Gedanken aus der Stille
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