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Anlässlich des Internationalen Tags gegen Umweltverschmutzung durch Plastik am 7. Juni unterhalten sich in dieser neuen Folge des Gucci Podcast der renommierte Umweltschützer David de Rothschild – der auch in der neuen Gucci Kampagne „Off The Grid“ zu sehen ist – und Sinéad Burke, Aktivistin für Menschen mit Behinderungen. Der Podcast wurde an zwei entgegengesetzten Enden der Welt aufgenommen und ist unter diesem Link abrufbar. Hier können Sie das Gespräch nachlesen.
Sinéad Burke:
Unser heutiger Gast sagte einmal: „In Zeiten des Chaos gibt es nichts Beruhigenderes, als die Schuhe auszuziehen und die Erde unter den Füßen zu spüren.“ Mitten in der gegenwärtigen Pandemie werden diese Worte zu einem wahren Mantra, und ganz gleich, ob Sie sich gerade im wortwörtlichen oder übertragenen Sinne nach einem festen Boden unter den Füßen sehnen – in unsicheren Zeiten Ruhe zu finden ist eines der Themen meines heutigen Gesprächs. Mein Name ist Sinéad Burke, ich bin Lehrerin, Autorin und Aktivistin für Menschen mit Behinderungen. Ich interessiere mich für die Frage, wie Systeme und Kulturen so neu erschaffen werden können, dass jeder Mensch sich einbezogen fühlt und selbstbestimmt daran teilhaben kann.
Sinéad Burke:
Es ist mir eine Ehre, diesen Gucci Podcast moderieren zu dürfen. Mein heutiger Gesprächspartner ist der außergewöhnliche Umweltaktivist und Abenteurer David de Rothschild, auch bekannt als „The Lost Explorer“. Mit seinem offenen Geist ist David ständig auf der Suche nach Ideen, wie wir die Welt um uns herum schützen und besser machen können. Er ist einer der Protagonisten der Off the Grid Kampagne von Gucci, einer Kollektion aus recycelten, regenerierten, ökologischen und nachhaltig bezogenen Materialien. Demnächst, am 7. Juni, begeht die Welt den Tag gegen die Umweltverschmutzung durch Plastik. David, ich freue mich auf unser Gespräch.
David de Rothschild:
Danke, Sinéad, ich freue mich auch, bei dieser Show dabei zu sein. Es ist mir eine große Ehre, und was für ein Zufall: Ich blicke gerade auf meine Uhr, und dort, wo ich mich befinde, ist es genau 11:11 Uhr. Diese Zahl hat für mich eine glückverheißende Bedeutung – die Zeichen für unser Gespräch stehen also ausgesprochen günstig. Jemand sagte mir einmal, diese Zahlenkonstellation sei ein Zeichen dafür, dass es irgendwo da draußen etwas gibt, das größer ist als wir. Die ethische Sphäre. Das hat mich erstaunt, und seitdem begegne ich immer wieder dieser 11:11. Ich hoffe, dass auch alle Zuhörer gerade diese Zahl sehen und sich ihnen eine Gelegenheit bietet, über die ethische Sphäre unseres Universums nachzudenken. Dort befindet sich das Unerklärte, dort liegt die unendliche Möglichkeit des Geheimnisvollen.
Sinéad Burke:
Was für ein wunderbarer Einstieg in unser Gespräch. Doch zurück zu deiner Person, David. Ich habe versucht, dich den Zuhörern vorzustellen, aber ganz so gut ist mir das vielleicht nicht gelungen. Wie würdest du dich selbst beschreiben, als Mensch und beruflich?
David de Rothschild:
Das ist wirklich schwierig. Ich erinnere mich, dass mich jemand einmal als Alleskönner beschrieben hat, der nichts richtig kann, und ich schätze, das stimmt. Ich habe ihn damals gefragt: „Ist das etwas Schlechtes? Ich weiß nicht recht, ob du mich gerade beleidigt hast.“ Eigentlich ist es etwas ziemlich Gutes. Ich bin einfach leidenschaftlich neugierig. Und ich glaube, in der Welt, die ich mir selbst geschaffen habe, in der ich versuche, so viel Zeit wie nur möglich in der Natur zu verbringen, wird man gerne in eine von zwei Schubladen gesteckt. Man ist entweder Abenteurer oder Entdecker. Und wenn man sagt, man sei Entdecker, dann erntet man verwunderte, auch herablassende Blicke und Kommentare wie „Gibt es überhaupt noch etwas zu entdecken? Haben wir nicht schon alles entdeckt? Was für ein Entdecker bist du?“.
David de Rothschild:
Ich würde sagen, der Unterschied zwischen uns und den Abenteurern – obwohl man auch abenteuerlustiger Entdecker sein kann – besteht darin, dass man als Entdecker die Grenzen seiner Neugierde immer wieder erweitert. In der Welt, in der wir heute leben, haben wir Möglichkeiten und Mittel, die uns den Planeten und die Natur wie nie zuvor betrachten und verstehen lassen. Das ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Dinge, die wir heute tun können: zu begreifen versuchen, wie sich dieses System in viereinhalb Milliarden Jahren so entwickelt hat, dass Leben auf unserem Planeten möglich ist. Denn ohne dieses Wissen ist unsere Fähigkeit, auf diesem Planeten weiterzuleben, eingeschränkt. Als Entdecker sind wir also mit Begeisterung und Neugierde dabei, Dinge zu erforschen, zu „verlernen“ und neu zu erlernen.
David de Rothschild:
Als Abenteurer – die andere Schublade, in die ich manchmal gesteckt werde – sehe ich mich nicht wirklich, denn ich kann keine einarmigen Liegestütze und bin auch kein großer Fan von Outdoor-Bekleidung. Abenteurern geht es darum, das menschliche Potenzial auszureizen, und ich bewundere das. Es gibt Extremsportler, die regelrecht die Berge „hochspringen“ oder versuchen, so tief oder so hoch wie nie jemand zuvor zu gelangen oder die Erde auf dem schnellsten Weg zu umrunden. Ich möchte die Natur lieber so oft es geht ohne Eile genießen, sie intensiv erleben und verstehen.
David de Rothschild:
Wenn ich sage, ich bin Entdecker, klingt das vielleicht etwas anmaßend. Aber es bedeutet eigentlich nur, dass man neugierig ist, und das ist mein Mantra, seit man mir als Kind sagte: „Fass das nicht an!“ Ich war immer so trotzköpfig, es doch anzufassen, zu kosten, auszuprobieren und herauszufinden, wie es funktioniert und wie ich damit interagieren kann.
Sinéad Burke:
Wie hast du im Laufe deines Lebens – von deiner Hartnäckigkeit als Kind, die Dinge, die du nicht anfassen solltest, doch zu erkunden, bis zu deiner heutigen Rolle als Entdecker – deine Neugierde als Fertigkeit gepflegt und ausgebaut?
David de Rothschild:
Das ist eine wirklich gute Frage. Du bezeichnest Neugierde als Fertigkeit, und das ist sie wirklich. Sie ist ein menschliches Gefühl. Sie liegt uns allen zugrunde, der Menschheit, der menschlichen Entwicklung. Man denke an die frühen Jäger und Sammler, die wissen wollten, was sich wohl hinter dem Horizont verbirgt. Ich stelle mir immer den frühen Homo erectus vor, wie er Ostafrika verließ, oder den Neandertaler, wie er eine Beere pflückt und seinen Partner oder Freund, oder wer gerade bei ihm war, ansieht und fragt „Was meinst du? Sollen wir? Ich zuerst oder du zuerst?“.
David de Rothschild:
Stell dir den ersten Menschen vor, der eine Auster probierte. Was für ein außergewöhnlicher Mensch. Man musste so neugierig sein! Oder der erste, der eine Ananas pflückte, ein Ei probierte, oder was auch immer: Nichts davon würde es heute geben, keiner dieser Wege wäre eingeschlagen worden, wenn es keine Neugierde gäbe. Wahrscheinlich haben wir auf dem Weg ziemlich viele Menschen eingebüßt. („Nein, tu’s nicht!“ Zu spät, er – oder sie – hatte die Beere schon gegessen.) Aber ich glaube, es ist eine Fertigkeit, die zu behalten uns heute fast schwerer fällt, denn heute haben wir Geräte, die viele Fragen für uns beantworten. Sie können einen großen Teil der Neugierde, die wir alle in uns tragen, stimulieren, und das ist toll, aber sie verleihen uns nicht die Fertigkeit, unsere eigene Neugierde zu bewahren.
David de Rothschild:
Manchmal schalten wir einfach ein Gerät ein und stellen ihm eine Frage oder gehen einfach in eine Richtung und akzeptieren sie als die richtige. Wir stellen sie nicht infrage. Das ist es aber, was Neugierde hervorruft, was zu einer Lernmethode führt. Diese stelle ich mir zweiteilig vor. Der erste Teil davon lautet: Lernen ist genauso wichtig wie Verlernen. Uns wird immer gesagt, dass wir lernen sollen. Dieser Prozess beginnt schon in der Kindheit, wenn jemand uns eine Information „einimpft“ und sagt: „Das reicht für den Rest deines Lebens, du kannst gehen.“
David de Rothschild:
Und dann werden wir erwachsen und stellen meist nicht viele Fragen. Vielleicht, weil uns unser Ego davon abhält, wir uns nicht sicher sind, ob wir eine bestimmte Frage überhaupt stellen sollten, weil wir dann als dumm oder unwissend erscheinen könnten. Das verinnerlichen wir manchmal so, dass wir uns einfach damit abfinden. Ich frage lieber nicht, ich will nicht auffallen. Wenn wir etwas nicht wissen, ist uns das peinlich. Als Erwachsener hat man alles zu wissen. Das ist Wahnsinn. Wir verlieren also diese Neugierde. Man braucht nur einmal einer Gruppe Kinder eine Frage zu stellen, und schon sind alle Hände oben. Wenn man dasselbe mit einer Gruppe Studenten versucht, wird man nicht viele Hände sehen. Das Bildungssystem lehrt uns, nicht querzudenken. Es vereinheitlicht unser Denken, leider.
Sinéad Burke:
Und auch unsere Verhaltensmuster.
David de Rothschild:
Ja, das stimmt.
Sinéad Burke:
Diesen Punkt möchte ich unterstreichen. Ich bin ein Mensch mit Behinderung. Ich bin kleinwüchsig, 1,04 m groß. Oft vergesse ich das, bis mich jemand in der Öffentlichkeit daran erinnert. Das sind häufig Kinder, deren natürliche Neugierde es ihnen erlaubt oder sie dazu ermutigt, auf mich zu zeigen. Wenn ich gerade in einem Laden oder einem Supermarkt bin und ein Kind auf mich zeigt und laut sagt: „Da ist eine kleine Frau!“, dann ist die sofortige Reaktion des Erwachsenen, das Kind zu ermahnen, still zu sein, es wegzubringen, zu ignorieren, was es gesagt hat. Das geschieht aus Angst, Verlegenheit und Scham.
Sinéad Burke:
Die Erwachsenen können nicht glauben, dass sie ihr Kind empathisch erzogen haben und diese Erziehung jetzt solche Früchte trägt. Anstatt zu erkennen, dass Neugierde etwas Begrüßenswertes ist. Diese Situation könnte auch viel positiver ablaufen, indem der Erwachsene zu dem Kind sagt: „Stimmt, eine kleine Frau. Sag ihr doch mal Hallo!“ Wir beziehen viele Situationen so sehr auf uns selbst, obwohl sie sich gar nicht um uns drehen, dass wir jede Gelegenheit, etwas zu lernen oder schwierige Gespräche mit Menschen zu führen, die anders sind als wir, bereits im Keim ersticken, nur weil wir diese Fertigkeit der Neugierde verloren haben oder sie aus Angst unterdrücken.
David de Rothschild:
Da stimme ich voll und ganz zu. Ein klassischer Fall, bei dem man den Kreis nicht unterbricht und das Kind dann das Gleiche an sein eigenes Kind weitergibt und immer so weiter und weiter. Daher kommt die Teilung der Gesellschaft, die Vorurteile, die Angst. Wir schauen nur auf die Unterschiede, anstatt in der Verschiedenheit der Natur ihre Schönheit zu erkennen. Wir versuchen mit aller Kraft, die Gesellschaft zu vereinheitlichen, alle in die gleiche Schablone zu zwängen. Und das bekommt uns gar nicht, denn wir alle haben etwas beizutragen. Unsere Schönheit liegt in unseren Unterschieden. Unsere Schönheit besteht darin, wie wir uns alle gegenseitig unterstützen können, durch diese verschiedenen Sichtweisen und Geschichten. Wie langweilig, wenn man nur eine Sichtweise und eine Erzählweise kennt, dann entgeht einem dieser ganze bunte Farbenteppich, dieser Reichtum, den die Vielfalt mit sich bringt.
David de Rothschild:
Und es stimmt: Wenn wir älter werden, ziehen wir uns zurück, beginnen, nach eingefahrenen Mustern zu leben. Eine der Herausforderungen ist für mich immer, und ich glaube, viele können das nachempfinden, nicht in Routinen zu verfallen. Wir alle sitzen in unserer Komfortzone fest. Erst, wenn wir sie verlassen, lernen wir wirklich etwas anderes, Neues. Die schnellste Art und Weise, dies zu tun, war für mich immer das Reisen, das mir glücklicherweise durch meine Arbeit vergönnt war. Mich aufzumachen, andere Kulturen zu besuchen, Zeit in anderen Umgebungen zu verbringen, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, die es mir ermöglichen, meine vorgefassten Meinungen fallenzulassen und in die Fülle von etwas Neuem einzutauchen, das mich für immer verändert.
David de Rothschild:
Meine beste Lehrzeit war für mich immer die Zeit in der Natur und mit Menschen außerhalb meiner „Blase“, denn es ist so einfach, immer nur auf Events, Empfängen oder Lesungen herumzusitzen, stets dieselben Orte aufzusuchen, dieselben Unterhaltungen zu führen und Zustimmung von allen zu erhalten. Dabei lernt man nicht wirklich etwas. Um auf den Gedanken von Neugierde und Forscherdrang zurückzukommen: In dem Moment, in dem man sich etwas unwohl dabei fühlt, ist man ein Entdecker, denn dann verlässt man seine Komfortzone, um einen neuen Weg zu finden. Man schafft neue Pfade, neurolinguistische Pfade.
David de Rothschild:
Man bricht mit Gewohnheiten. Und deshalb fordere ich andere und mich selbst, auch die Menschen in meinem Bekanntenkreis, heraus und sage: „Lasst uns nicht wieder die gleichen Gespräche führen, nicht ständig einer Meinung sein, lasst uns lieber nach demjenigen suchen, der anderer Ansicht ist, und versuchen, seine Sicht zu verstehen, denn wenn wir nur hier sitzen und allem zustimmen, dann werden wir nie etwas lernen oder einen neuen Weg erforschen.“ Es ist also wichtig, neugierig zu bleiben. Und das führt dann zu ... Entschuldige, du wolltest etwas sagen.
Sinéad Burke:
Ich wollte nur sagen: Wenn man diese eingefahrene Position verlässt, dann versetzt man sich auch in die Lage, verletzlich zu sein, und Verletzlichkeit und Neugierde, dazu vielleicht sogar noch Freundlichkeit, sind Eigenschaften, die in der Vergangenheit nicht so sehr geschätzt wurden wie andere menschliche Fertigkeiten, die als erstrebenswert erachtet wurden. Wenn man sich auf diese Verletzlichkeit einlässt und sich selbst eingesteht und auch anderen gegenüber keinen Hehl daraus macht, dass es Bereiche gibt, die man nicht versteht und vielleicht nie verstehen wird, dann gewinnt man den Mut und die Sicherheit, sich selbst in eine bewusst herbeigeführte unbequeme Lage zu versetzen.
David de Rothschild:
Genau, das ist wahr. Wir flüchten vor dem Unbequemen, und eigentlich flüchten wir dabei davor, unsere Schale zu durchbrechen. Ein sufistisches Sprichwort lautet: „Aller Schmerz kommt vom Durchbrechen der Schale, die unser Verständnis umgibt.“ Wir sind Gewohnheitstiere und bleiben in unserer Schale. Dabei ist der interessanteste Ort zum Leben und Lernen außerhalb unserer Komfortzone. Ich denke an die Zeit zurück, als ich noch jünger war. An meine erste Reise durch die Antarktis mit Mitte 20. Man hatte mich dazu eingeladen, anfangs als Mitglied des Supportteams, und ich habe mich hineingeschummelt (was ich vielleicht nicht sagen sollte).
David de Rothschild:
Ich wurde gefragt: „Wie viele Berge hast du schon bestiegen? Wie viele Knoten kannst du binden? Wie stark bist du?“ Ich habe einfach Antworten erfunden und mir gedacht: „So schwer kann das nicht sein, es ist ja nur Skilaufen, ich lese einfach ein paar Bücher.“ Ich war voller Energie, in meinem Kopf war so viel Energie, dass ich es einfach wahrgemacht habe. Doch dann wird man älter und wird plötzlich ängstlich. Wenn jetzt jemand sagen würde, ich solle etwas tun, was ich noch nie zuvor getan habe, wäre ich wahrscheinlich viel zurückhaltender und vorsichtiger und würde die Gelegenheit wohl verpassen.
David de Rothschild:
Das bedeutet nicht, dass wir mit zunehmendem Alter nichts mehr riskieren, aber auf eine gewisse Weise ziehen wir uns in unsere Schale zurück. Und ich glaube, das passiert, wenn wir nicht auf die Jugend schauen. Damit klinge ich wie der Mann mittleren Alters, der ich ja auch bin. Wenn wir nicht auf die Jugend schauen, auf diese Quelle reiner Energie – wo doch alle Welt von sauberen Energien spricht ... Diese Energie beginnt, wenn sich so ein kleines Gesicht erhellt, weil es die Natur zum ersten Mal sieht, zum ersten Mal etwas Unbekanntes zum Essen probiert, dieser Moment, diese Energie, die da hervorbricht, aus diesem kleinen Kind im Supermarkt aus deinem Beispiel – diese Prägung vom frühen Kindesalter an: Dort liegt der Anfang.
David de Rothschild:
Von dort geht der Impuls aus. Interessant an unserer Gesellschaft ist, dass wir die Älteren in Altenheime stecken und die Jungen ignorieren und ihnen sagen, sie seien wertlos, weil wir hier im Westen nur dem Teil der Gesellschaft einen Wert beimessen, der zu unserem Wirtschaftsmodell beiträgt. Wenn man dagegen in eine indigene Kultur kommt, dann wird dort die Jugend für ihre Energie verehrt, dafür, dass sie die nächste Generation ist, für ihre Lebenskraft und das mit ihr verbundene Fortbestehen, und die Älteren werden für ihre Weisheit geschätzt. Sie bilden das Bindeglied zu den Geschichten über unsere Herkunft.
David de Rothschild:
Wenn du nicht verstehst, wo wir herkommen, verstehst du auch nicht wirklich, wohin wir gehen sollten. Eine der Tragödien im Zusammenhang mit COVID-19 zum Beispiel, ohne auf dieses Thema weiter eingehen zu wollen, ist all die Weisheit, die unnötig verlorengegangen ist, ganze Bibliotheken voller Wissen, die unnötig verschwunden sind. Deshalb glaube ich, wir sollten wirklich beginnen, die Gesellschaft neu zu ordnen und den Menschen zu sagen: „Nur, weil du nicht Teil des wirtschaftlich aktiven, arbeitenden Mittelteils der Gesellschaft bist, heißt das nicht, dass du wertlos bist.“ Denn Wissen ist unendlich wertvoll und unersetzlich, und es wird nicht weitergereicht.
David de Rothschild:
Wir alle müssen unsere Beziehung zu denen, die jünger sind als wir, und zu denen, die älter sind, erneuern. Zeit verbringen mit den Älteren und ihrer Weisheit und auch mit der Naivität und Unerschrockenheit der Jungen, mit der Fähigkeit, Dinge einfach anzugehen. Das braucht man manchmal, denn wenn man älter wird, fängt man an, Dinge aufzuschieben. Viele der Themen, mit denen ich mich beschäftige und mit denen sich viele andere um mich herum beschäftigen, dürfen nicht aufgeschoben werden. Uns bleibt sehr, sehr wenig Zeit, um diejenigen zu mobilisieren, die die Entscheidungen treffen, durch die unsere Möglichkeit, auf diesem Planeten weiterzuleben, wirklich beeinflusst wird.
David de Rothschild:
Und wir müssen erkennen, dass wir zwar die letzten drei oder vier Monate, oder weniger, je nachdem, wo auf der Welt sich jemand befindet, im Lockdown verbracht haben – aber vor einer kollabierenden Natur kann man sich nicht einfach wegschließen. Vor diesem System, das einfach verschwindet oder uns überwältigt, können wir nicht in den Lockdown flüchten, es lässt sich nicht einfach so auf die Schnelle retten. Wir müssen diese Entscheidungen also sehr, sehr bald treffen. Und wir brauchen dazu jeden von uns – alle oder keinen, wie es der große Buckminster Fuller 1963 mit seiner Metapher vom „Raumschiff Erde“ ausdrückte.
Sinéad Burke:
Genau wie du sagtest, wurden in letzter Zeit Menschen in bestimmte Kategorien eingeteilt: Wenn man als empfindlich eingestuft wurde, dann hatte man sich weiter zu isolieren. Diese Definition von Wert und was ein Mensch ist oder tun kann, um wertvoll oder nützlich zu sein, müssen wir unbedingt kritisch betrachten. Jeder von uns hat eine Bedeutung, nicht nur ökonomisch gesehen, sondern einfach dadurch, dass wir existieren. Jeder von uns wirkt auf etwas ein – auf die Menschen, die mit uns zusammengelebt haben, die uns lieben, die Umwelt, ob positiv oder negativ. Diese Betrachtungsweise zu ändern, ist gerade in der gegenwärtigen Situation wichtig, denn jeder von uns ist dafür verantwortlich, sich um sich selbst, die nächste Generation und vor allem den Planeten zu kümmern. Ich würde aber gerne noch mehr von dir über die Natur hören, von der du so wunderbar sprichst. Kannst du mir ein Bild von deinem schönsten Augenblick beschreiben, in dem du von der Natur umgeben warst?
David de Rothschild:
Ich fühle mich sehr zum Meer hingezogen. Es ist einer dieser geheimnisvollen Orte, eine andere Welt. Der Moment, in dem man sich vom Boot abrollt und in diese blaue Unendlichkeit abtaucht, fast als würde man fliegen ... Dann sieht man Kreaturen aus einer anderen Welt, Korallenriffs mit wahrhaftigen Unterwasserstädten und unterschiedlichen Lebensformen. Dort hat das Leben auf unserem Planeten begonnen. Die Möglichkeit, unter Wasser zu gehen, meist nur für kurze Zeit, denn der Sauerstofftank beschränkt diese Möglichkeit auf eine kurze Begegnung, aber doch in der Lage zu sein, einen kurzen Blick in diese andere Welt zu werfen, die nur wenig erforscht ist ...
David de Rothschild:
Wir wissen so wenig über unsere Meere und seine Bewohner. Sie sind voller Informationen, ganzer Bibliotheken, die wir für selbstverständlich halten. Diese ganze Vielfalt ist, wenn man es so betrachtet, eine enorme Bibliothek an Lösungen, und über Milliarden von Jahren sind diese unglaublichen Systeme gewachsen, haben überlebt, sich entwickelt und das Unvorstellbare hervorgebracht. Wenn man sich unseren Planeten in diesem schwarzen Nichts ansieht und sich überlegt, wie wir zu dem unglaublichen Gleichgewicht gekommen sind, bei dem wir genau die richtige Entfernung zu diesem Feuerball haben, dass wir uns im Licht eines Sterns, der Abertausende, Abermillionen Grad heiß brennt, sonnen können. Wären wir näher dran, würden wir alle in Flammen aufgehen, wären wir aber weiter weg, würden wir einfach vereisen und alles würde in Vergessenheit versinken.
David de Rothschild:
Dann der Mond, der wohl ein Planet von der Größe des Mars war und in uns einschlug, von uns abprallte und dann so etwas wie einen Anker schuf. Über den wir Kontrolle haben, der Kontrolle hat über unsere Tage und unsere Rotation stabilisiert. Auch von ihm erhalten wir wieder das perfekte Gleichgewicht, und diese „Mutter Mond“ verbindet uns wiederum mit unserem Meer, das uns diese wunderbaren Gezeiten und Strömungen schenkt, die das Klima auf dem Planeten bewegen, und so weiter und so fort. Wenn man sich das alles ansieht, wie alles miteinander vernetzt ist, wenn man sich all das Wissen ansieht, all diese einzelnen Elemente zusammen betrachtet, dann muss man einfach denken: „Warum haben wir nicht genauso viel Respekt vor diesen Bibliotheken der Natur, diesen Informationen, wie vor unserer eigenen Arbeit, vor unseren eigenen literarischen Größen?“ Wir haben riesige Museen geschaffen und stellen dort Bücher und Kunst und derlei Dinge aus, unsere Kunst und unser Wissen, doch wir ignorieren die andere Bibliothek, die Bibliothek der Natur.
David de Rothschild:
Wenn man dann in das Meer abtaucht und als Beobachter im Hintergrund all diese verschiedenen Interaktionen sieht, all diese verschiedenen Momente, all das Faszinierende ... Oktopusse zum Beispiel. Was wir noch immer nicht herausgefunden haben – natürlich haben wir vieles noch nicht herausgefunden, aber eines davon ist die Frage: Wie passen sie ihre Farbe an die Umgebung an, wenn sie doch farbenblind sind? Woher wissen sie, welche Farbe die Umgebung hat? Eine Theorie besagt, dass sie Farben mit ihren Armen fühlen können, dass sie eine Farbe anhand ihrer Wellenlänge erkennen und auf diese Weise auf Gefahren reagieren oder sich verstecken und jagen.
David de Rothschild:
Sie haben diese Fähigkeit über Abermillionen von Jahren entwickelt. Und dann kommen wir und holen sie uns einfach aus dem Meer, um sie in der Pfanne zu braten. Und wir dippen sie in scharfe Sauce, ohne uns zu überlegen, dass diese Kreatur überragende Intelligenz, überragendes Bewusstsein besitzt, dass sie Millionen Jahre der Evolution in sich trägt, die sie eine Rolle in diesem unglaublichen System spielen lassen. Das ist es, was ich ständig versuche, in meine eigenen Worte zu fassen, das ist die Quintessenz meiner eigenen Neugierde: Wie können wir uns selbst innerhalb dieses Netzwerks des Lebens neu erfinden? Wie schließen wir die Lücke in diesem Narrativ, um sagen zu können, dass wir alle Teil der Natur, eins mit der Natur sind?
David de Rothschild:
Darüber habe ich neulich nachgedacht. Unsere Heimat ist der Planet Erde. Er wurde in diesem schwarzen Nichts geboren, in einem großen Kampf zwischen Schwerkraft und Masse. Entgegen allen Widrigkeiten haben wir überlebt. Unser Planet begann, sich zu entwickeln, und dann kam es über Milliarden von Jahren zu Ereignissen, die auf wundersame Weise das Leben auf diesem Planeten ermöglichten. Das kann man mit einem Kind im Mutterleib, in diesem ebenfalls schwarzen Nichts, vergleichen. Völlig unvermittelt, allen Widrigkeiten zum Trotz, findet dieser Kampf zwischen Leben und Tod statt, und dann wird das Leben geboren, man beginnt sein Leben im Mutterleib und wird geboren.
Sinéad Burke:
Das unterstreicht deine These über die Macht der Vernetzung, aber auch über die Bedeutung des Gleichgewichts und wie alles Teil dieser ökologischen Kreislaufwirtschaft, in einem gewissen Sinne, ist. Was mich jedoch besonders beschäftigt, David: Anfänglich war dein Interesse an der Umwelt zum großen Teil durch deine Neugierde motiviert, aber sehr bald hast du begonnen, diese Neugierde für deinen Einsatz und deine Arbeit für den Umweltschutz zu nutzen. Was du mit der Plastiki machst, fasziniert mich. Ich frage mich, wann der Wendepunkt für dich kam. Was war das auslösende Moment, ab wann ging es für dich nicht mehr nur ums Lernen, um den Zugang zu dieser Enzyklopädie der Welt um dich herum, sondern darum, selbst etwas zu verändern und andere davon zu überzeugen?
David de Rothschild:
Ich würde sagen, einer der Auslöser war die Plastiki. Es war eine unglaubliche Reise, die immer noch fortdauert. In diesem Jahr feiert die Plastiki ihr zehntes Jubiläum. Zu diesem Zeitpunkt vor zehn Jahren hatten wir gerade Samoa verlassen und trieben auf dem Meer umher, auf unserem Weg nach Neukaledonien. Die Plastiki wiederum war eine Antwort auf meine Zeit in der Arktis im Jahr 2006. Da hatte ich gerade ein Projekt beendet, bei dem ich versucht hatte, auf Skiern von Russland nach Kanada zu gelangen, und 110 Tage im Arktischen Ozean verbrachte. Ziel war es, die Diskussion über den Klimawandel auf einen Punkt zu bringen. Die Tatsache, dass Arktis und Antarktis das Frühwarnsystem für den Klimawandel sind und dass wir uns wegen des schmelzenden Eises und der Veränderungen, die das auf unser globales Wetter haben wird, große Sorgen machen sollten.
David de Rothschild:
Als ich zurückkam und darüber Gespräche führte, entgegnete man mir stets: „Unser Klima hat sich doch schon immer verändert.“ Immer kam es zu dieser Debatte. Wenn um das Wort „Klimawandel“ eine Debatte geführt wird, dann führt das immer zu gewissen Spannungen. Das ist verrückt, anders scheint es nicht zu gehen. Würde man es „Umweltverschmutzung“ nennen und sagen, dass wir damit ein globales Problem haben, dann würden die Leute zustimmen. Eines der Probleme mit der Umweltverschmutzung, das uns viel bewusster geworden ist, weil es uns mittlerweile eingeholt hat, ist unsere Sucht nach Plastik und die menschlichen Fingerabdrücke, die wir damit überall auf dem Planeten hinterlassen haben. Im Jahr 2006 begann ich, darüber zu lesen, und stieß auf diesen unscheinbaren Bericht der UN, in dem es um die Biodiversität der Weltmeere und deren Verschmutzung durch Plastik geht.
David de Rothschild:
Ich las, auf einem Quadratkilometer Meer gebe es 46.000 Stück Plastik, und war im ersten Moment überzeugt, dass es sich bei dieser Zahl um einen Druckfehler im Bericht des UNEP handeln musste. Als ich jedoch begann, ein paar Nachforschungen anzustellen, erfuhr ich, dass es sich hierbei nur um eine Schätzung handelte, weil niemand genau wusste, wie viel Plastik sich in unseren Meeren ansammelt. Dies waren einige der ersten Zahlen, denn das Thema „Plastik in der natürlichen Umwelt“ kam gerade erst auf. Die Frage lautete also, wie man am besten Interesse daran wecken konnte. Wie man Engagement auslösen, andere ins Boot holen konnte. Wenn ich gesagt hätte: „Hey Leute, ich habe hier etwas wahnsinnig Interessantes, für das ich euch begeistern möchte. Man nennt es Recycling“, dann hätte man mich wahrscheinlich für ziemlich weltfremd gehalten. Was soll an Recycling schon spannend sein?
David de Rothschild:
Wenn man aber erzählt, dass man vorhat, in einem Boot aus Plastikflaschen über den Pazifik zu segeln, ist jeder sofort Feuer und Flamme. Jeder will sofort wissen, worum es bei diesem Abenteuer geht. Das war der Punkt, an dem ich das Trojanische Pferd der Bildung und Information hereinbrachte. Durch Neugierde wird man dabei auch selbst zum Aktivisten. Die Neugierde lässt sich nicht mehr ausschalten, man möchte jetzt selbst wissen, wie sich dieses Boot bauen ließe, welches Ziel es ansteuern soll, wer dich begleiten wird, was ihr essen werdet, wie ihr reisen werdet, wie es auf dem Meer sein wird, was im Meer sein wird, ob man irgendetwas darin sehen wird – unversehens wird man zu einer Art Reporter, einem Zentrum der Neugierde.
David de Rothschild:
Man beginnt, all diese Fragen zu sammeln, in der Hoffnung, dass in all diesen Ebenen und Geschichten eine Geschichte für jeden dabei ist, ob Segler, Biologin, Meeresforscher, Dichterin, Fotograf, Filmemacherin, Ingenieurin oder Experte für Plastik, und man hofft, diesen Einstiegspunkt und all diese Erfahrungen einbringen zu können. Und auf einmal entsteht daraus diese 360-Grad-Sicht über die Art und Weise, wie Menschen Plastik nutzen und falsch entsorgen und wie es sich dann in unserer Umwelt wiederfindet. In der Designphase war dies dann ein Projekt, bei dem alles möglich war. So wurde auch die Plastiki selbst zu einem Sinnbild dafür, dass alles möglich ist. Für mich war es eine verrückte Idee, die ihren Ursprung in der Fragestellung hatte, ob es möglich ist, ein Boot vollständig aus Plastikflaschen zu bauen und damit über den Pazifik zu segeln.
David de Rothschild:
Indem ich diese Frage stellte, erkannte ich, dass es keine dummen Fragen gibt. Jeder konnte kommen und Vorschläge machen. Die Plastiki wurde zu einem äußerst lebendigen Zentrum der Neugierde. Jede Frage, jede Möglichkeit war erlaubt, nichts wurde verworfen, alles wurde ausprobiert, bis etwas nicht funktionierte. Ein wunderbar kreatives Durcheinander. Deshalb brauchten wir drei, vier Jahre, um herauszufinden, wie man dieses Ding bauen kann. Und dann begann das Abenteuer. In San Francisco stachen wir in See, mit lauter verschiedenen Systemen an Bord, wie auf einem Raumschiff, und der Ozean war unser Universum. Auf diesem Ozean, dem Pazifik, der 28 Prozent der Erdoberfläche bedeckt, auf diesen Weltmeeren, die zwei Drittel des Planeten bedecken, fühlt man sich wie ein Astronaut auf dem Weg durch den Weltraum. Die Erde als „Planet Ozean“.
David de Rothschild:
Die Sterne über dem Pazifik strahlen so hell, dass sie auf dem Meer zu leuchten scheinen, man weiß gar nicht, ob man durch den Himmel oder durch das Meer segelt. Man ist eingehüllt in dieses kosmische Erlebnis, während man dahintreibt wie eine Flaschenpost – in unserem Fall sogar im wörtlichen Sinne. Die Botschaft unserer Flaschenpost lautete: „Alles ist möglich, wenn man nur mutig genug träumt.“ Auch heute trifft dieses Motto noch zu, und zwar mehr denn je. Deshalb können wir heute sagen: Vor zehn Jahren war Plastik kein Thema, heute wird darüber gesprochen.
David de Rothschild:
Meiner Meinung nach kreist dieses Gespräch jedoch immer noch etwas zu sehr um die Probleme. Immer wieder sehen wir Bilder von Schildkröten und Walen am Strand unter Bergen von Plastik, und die Reaktion darauf konzentriert sich auf die einzelnen verendeten Tiere, die Unmengen an Plastik, anstatt aufzuzeigen, wie wir in Harmonie mit diesem Material leben können, das bei richtiger Verwendung ein sehr intelligentes Material ist. Unsere Sucht nach Bequemlichkeit, nach Dingen, die man einfach wegwerfen kann, hat Plastik zu einer absolut verheerenden Antwort auf das menschliche Bedürfnis nach Konsum gemacht. Das ist etwas, das wir angehen müssen. Deshalb haben wir zum zehnten Jubiläum der Plastiki beschlossen, sie wieder zum Leben zu erwecken und mit ihr auf Tour durch Großbritannien zu gehen. Wir wollten Anfang Juni starten und dann bei der UN-Klimakonferenz ankommen.
David de Rothschild:
Bekanntermaßen ist die COP 26 aber verschoben worden und soll nun 2021 stattfinden – wir werden sie vielleicht einfach in „2020“ umbenennen. Deshalb haben wir entschieden, alles digital zu machen. Wir haben eine neue Website erstellt, die um den 1. Juni, aus Anlass des Weltumwelttags am 5. Juni, an den Start gehen soll. Der 7. Juni ist dann der Welttag gegen die Umweltverschmutzung durch Plastik, an dem ich mich nicht nur auf Probleme konzentrieren will, sondern vor allem auf das, was wir bereits richtig machen. Die Plastiki soll als Plattform dafür dienen. Gleich im Anschluss feiern wir den Welttag der Meere am 8. Juni. Das wird also ein richtiges Festival der Natur, und man bekommt eine wirkliche Chance, als Einzelperson zu sagen: Was kann ich tun? Wie kann ich mich engagieren, etwas in die Wege leiten? Wie kann ich Unterstützung leisten?
David de Rothschild:
Ich würde sagen, all dies beginnt letztendlich mit Neugierde. Es beginnt damit, diese „Das haben wir schon immer so gemacht“-Mentalität zu hinterfragen. Sich nicht einfach damit abzufinden, dass man angeblich nichts tun kann. Denn es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, auf diesem Planeten zu leben, und die eine, für die wir uns entschieden haben, ist viel zu linear, destruktiv, spaltend. Wir können viel mehr erreichen, wenn wir zusammenarbeiten. Alle oder keiner – es ist nicht nur mein Problem, es ist unser Problem. Es geht uns alle an. Wenn es mir gut geht, geht es auch dir gut. Wenn ich mit dir auf positive Weise verbunden bin, wirkt sich das positiv auf alle aus. Wenn unsere Verbindung aber negativ ist, dann fällt alles auseinander.
Sinéad Burke:
Da hast du vollkommen recht. Ein zehnjähriges Jubiläum, jede Art von Jubiläum, ist ein wichtiger Moment, um Revue passieren zu lassen, wie alles angefangen hat, was wir erreicht haben und was als Nächstes zu tun ist. Genau wie du sagtest, müssen wir das durch eine positive Brille sehen, aber auch durch die Brille der Intersektionalität. In sehr vielen Diskussionen, die Aktivisten zum Thema Nachhaltigkeit geführt haben, hat es Unstimmigkeiten gegeben, insbesondere im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen und Barrierefreiheit. Wie in deinem Beispiel, David. Kunststoffe können sehr nützlich sein, und es geht nicht darum, vollkommen darauf zu verzichten. Die Frage ist, wie wir gemeinsam etwas tun können, jeder von uns. Wir müssen erkennen, dass etwas Auswirkungen auf die Umwelt hat, und dass sich die Umwelt wiederum auf verschiedene Menschen unterschiedlich auswirkt. Dabei ist es wichtig, neugierig zu bleiben und offen dafür, zu lernen und zu verlernen.
David de Rothschild:
Es ist auch wichtig, zu erkennen, dass die Natur ein unglaublicher Zauberer ist, und Magie mögen schließlich alle. Weißt du, was ich meine? Man sieht einen Zauberer, das ist erst einmal nichts Besonderes, Zauberer gibt es viele. Obwohl es da große Unterschiede gibt, gute und schlechte Zauberer. Doch vor allem ist Magie etwas, das wir alle lieben. Wir wissen eigentlich, dass alles nur ein Trick ist. Wir können diese Voreinstellung jedoch ablegen und uns auf diesen kindlichen Zustand der Neugierde einlassen, in dem wir voller Staunen fragen: „Wie hat er das gemacht?“ Genau die gleiche Reaktion ruft die Natur hervor. Sie vermag Unglaubliches. Der Sonnenaufgang und -untergang, der Aufgang und Untergang des Mondes – das ist einfach unglaublich und hat eine belebende Wirkung.
David de Rothschild:
Deshalb glaube ich, wir sollten manchmal einfach unsere Botschaft überdenken und sie, wie du es sagst, viel zugänglicher, inklusiver, weniger fragmentiert gestalten. Es gibt keine Schablone für alle, und das sollte es auch nicht, sondern die Botschaft sollte die Vielfalt anerkennen. Sie sollte verschiedene Methoden anerkennen, denn jeder von uns hat seine eigenen Geschichten, Werte, jeder lebt auf die Weise, die zu ihm passt. Das müssen wir einbeziehen, davon müssen wir lernen, anstatt davonzulaufen und zu sagen „Du bist anders als ich“. Denn das sind wir nicht – wir sind gleich, wir sind alle gleich.
David de Rothschild:
Auf diese vereinigte Front bei gleich welchem Thema, ob Umwelt, Geschlechtergerechtigkeit oder Barrierefreiheit, kommt es an. Wenn jemand sagt: „Das ist ein behinderter Mensch“, dann sage ich: „Nein, dieser Mensch kann vieles, das ich nicht kann.“ Wozu auf den Unterschied hinweisen? Das, worauf wir uns konzentrieren müssen, ist die Fähigkeit, nicht die Behinderung. Diese Aspekte müssen wir meiner Meinung nach neu formulieren, und dabei auf unsere Sprache aufpassen, denn viele der Narrative und Worte, die wir heute benutzen, führen auf einen sehr gefährlichen Weg. Das wäre dann ein Thema für einen weiteren Podcast.
Sinéad Burke:
Das stimmt, und die Bedeutung von Sprache ist größer denn je. Ich bezeichne mich als „klein“ oder „kleinwüchsig“ und habe mich zudem dafür entschieden, die Worte „Behinderung“ und „behindert“ zu verwenden, und zwar, um sie gewissermaßen zurückzuerobern. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die Bildung noch getrennt war, d. h. wer behindert war, ging auf eine Förderschule und erhielt vielleicht keine Regelschulbildung. Ich verwende das Wort auch, weil in ihm so etwas wie Stolz liegt. Aus diesem Gespräch allein haben wir gelernt, dass wir den Menschen Selbstbestimmung und das Recht geben müssen, zu entscheiden – darüber, wie sie sich definieren möchten, wer sie sein und was sie tun möchten, ob Entdecker wie du oder Lehrerin wie ich. Diesen Raum und diese Gelegenheit für so viele zu schaffen, ist unglaublich wichtig.
Sinéad Burke:
Zu Beginn dieses Gesprächs hast du etwas wirklich Faszinierendes gesagt, David. Du erwähntest, dass ein großer Teil deiner Arbeit nicht nur darin besteht, Einzelpersonen zu informieren oder sie zu ermutigen, ihren Platz in dieser Welt zu finden und ihre Stimme einzubringen. Um einen nachhaltigen, lang anhaltenden Systemwandel zu erzielen, der dich und mich überdauert, muss man deiner Ansicht nach mit Menschen sprechen, die Macht haben, oder mit Unternehmen und Organisationen, die Macht haben, und mit ihnen zusammenarbeiten, damit man einen Beitrag leistet, der auf vielerlei Weise messbar ist, der über Nacht zu Änderungen führt, die du allein auch in Jahrzehnten nicht erreicht hättest.
Sinéad Burke:
Dazu arbeitest du mit verschiedenen Organisationen zusammen und hast das vielleicht auch schon in der Vergangenheit getan. Als ich hörte, du würdest an der Gucci Kampagne „Off the Grid“ mitzuwirken, kam mir gleich der Gedanke, dass dies ein kluger Schachzug ist – sowohl von Gucci als auch von dir. Könntest du mir das beschreiben? Worum geht es da und warum meintest du, es könnte nützlich für dich sein, mitzumachen?
David de Rothschild:
Gucci ist eine sehr interessante Marke, wenn man sich ihre Entwicklung und ihre Dynamik ansieht, ihre Stimme und ihre Kraft. Man kann nun von außen auf das zeigen, was falsch ist, oder man kann die Medaille umdrehen und betrachten, was unternommen wird, um die Dinge zum Besseren zu wenden. Niemand ist perfekt, auch ich nicht. Vor etwa einem Jahr hatte ich die Gelegenheit, am Hauptsitz von Gucci einen Vortrag zu halten. Ich war fast am Ende meines Vortrags angelangt und gerade in einer etwas angriffslustigen Stimmung. Da stellte jemand eine Frage zum Einfluss von Konzernen auf eine nachhaltigere Lebensweise.
David de Rothschild:
Ich habe immer geglaubt, dass ein bestimmtes System erschaffen wurde, und jetzt die Chance besteht, es neu zu erschaffen, etwas zu verlernen und neu zu erlernen. Marken sind Gemeinschaften und haben die Fähigkeit, Narrative anzuführen, manchmal viel schneller als wir Umweltschützer, die wir viel isolierter sind. Sie haben eine viel größere Reichweite, eine viel breitere und viel leidenschaftlichere Anhängerschaft. Wir gelangen gerade an einem Punkt an, an dem Einzelne etwas tragen, spüren oder sich für etwas engagieren wollen, das mehr ist als nur eine Produkterfahrung. Es geht um mehr als Gewinne, es geht um den Planeten, die Menschen, um etwas, das Substanz und Tiefe hat. Ich kam also gerade zum Abschluss meines Vortrags am Hauptsitz von Gucci in Mailand und blickte in diesen Raum voll schöner Menschen, die alle Gucci trugen.
David de Rothschild:
Da griff ich eine Idee auf, von der ich immer gesprochen habe: Marken verwenden Bilder aus der Natur oder zeigen Drucke und Motive aus der Natur auf ihren Produkten und ihrer Kleidung – bei Gucci eine ganze Menge. Warum also zahlen wir der Natur keine Lizenzgebühren? Das ist eine Idee, an die ich seit vielen Jahren gedacht und über die ich schon viel gesprochen habe. Ich hatte während des Vortrags den CEO Marco Bizzarri in der ersten Reihe sitzen sehen, und so warf ich ihm die Frage zu und dachte: „Jetzt ist er an der Reihe.“ Ich fragte also: „Marco, warum zahlt Gucci der Natur keine Lizenzgebühren?“ Nachdem der Vortrag zu Ende war, kam er zu mir und erzählte mir, was Gucci bereits unternimmt. Er erwähnte „The Lion’s Share“ und dass ein Teil der Ausgaben für Werbeanzeigen, in denen die Natur vorkommt, in diesen Fonds des UNDP fließt.
David de Rothschild:
Dann begannen wir, alles noch genauer zu betrachten. Marco scheut keine Herausforderungen, ebenso wenig Alessandro. Wir sahen uns also die Marke und die Kering Group an, die ökologische Gewinn- und Verlustrechnung, die im gesamten Konzern eingeführt wurde, und wie sie speziell bei Gucci umgesetzt wird. Wir haben uns angesehen, welche Materialien für Schuhe und andere Produkte verwendet werden. Daraufhin könnten einige sagen: „Es ist immer noch ein großes Unternehmen mit Wegwerf-Mentalität, saisonal wechselnden Produkten und alledem.“ Doch dann sieht man nur das Negative. Es gibt unzählige positive Maßnahmen.
David de Rothschild:
Beispielsweise erzielt man einen enormen Effekt, wenn man ein bestimmtes Material nicht mehr verwendet. Oder wenn man ein Gespräch führt. Ich begann also, mich noch intensiver damit zu beschäftigen. Ich stieß auf die Plattform Gucci Equilibrium, las über Pflanz- und Wiederherstellungsprojekte, den Schutz alter Regenwälder und fand viele Antworten auf unterschiedlichste Fragen. Wie steht es um das Thema Plastik? Wie entfernen wir Kunststoffe unternehmensweit aus der Lieferkette und ersetzen sie durch Recyclingmaterialien? Ich stehe da noch ganz am Anfang. Gucci ist ein sehr altes Unternehmen, aber bei der Umgestaltung seiner Infrastruktur nach dem Leitgedanken „Planet 2.0“ ist es führend.
David de Rothschild:
Es ist sehr aufregend, wie viel es da für mich zu entdecken gibt – dass Gucci sich dieses Themas annimmt, es fortführt und zu etwas wirklich Machtvollem weiterentwickelt. Später wurde ich gefragt, ob ich bei der Kampagne dabei sein möchte, und ich überlegte, was da eigentlich dahintersteckt. Und dann sieht man die Materialien, für die Gucci sich entschieden hat, den Grundsatz der Wiederverwendbarkeit, das ökologische Nylon, das zur Herstellung einiger Taschen und Schuhe verwendet wurde, und wie nahe all das dem Gedanken der Plastiki und unserer Idee der Wiederverwendbarkeit kommt. Es gibt also wunderbare Berührungspunkte, die allmählich einen Sinn ergeben. Man sieht das Ganze und erkennt, dass man es mit einem Unternehmen zu tun hat, das innerhalb dieses Konzerns mit seinen vielen anderen Marken, die sehr, sehr bekannt sind, wie ein Stern leuchtet.
David de Rothschild:
Und wenn dieses Unternehmen es schafft und vorangeht, dann führt das zu einer Art Schneeballeffekt im ganzen Konzern, bei den Kunden, entlang der Lieferkette, der enorme Auswirkungen hat. In den letzten Jahren konnte man beobachten, dass die Modebranche mehr als jede andere Branche an der Spitze des Wandels steht. Sie muss sich ändern. Die Menschen denken inzwischen über die Auswirkungen der Kurzlebigkeit von Produkten, bestimmter Materialien, Farbstoffe oder über die Arbeitsbedingungen, die sich hinter einem Label verbergen, nach. Wer sein Geschäftsmodell folglich nicht auf mehr Nachhaltigkeit umstellt und konkrete Maßnahmen innerhalb des Unternehmens trifft, diese Themen also wirklich angeht, anstatt nur darüber zu reden, den wird es kalt erwischen.
David de Rothschild:
Wir leben in einer Gesellschaft der Trends und der Verbraucher, in der Marken sich weiterentwickeln müssen. Andernfalls laufen die Verbraucher davon. Gucci gelingt es meiner Meinung nach hervorragend, diese hinterfragende Einstellung aufzugreifen und umzusetzen. Für mich ist es daher sehr spannend, Teil davon sein zu können. Ich werde weiter drängen und in der Gucci Familie die Rolle des Forschenden spielen, der sich nie zufriedengibt und fordert, noch mehr zu tun, denn alles ist möglich. Ich freue mich darauf, noch mehr lernen zu können, und fühle mich geehrt, in der Kampagne zusammen mit tollen Menschen aufzutreten. Das ist sehr aufregend.
Sinéad Burke:
Ja, es ist großartig. Als Lehrerin hoffe ich, dass diese Kampagne, wenn sie einen Teenager über Social Media erreicht, diesen vielleicht zum Nachdenken anregt, ihn dazu bringt, ein Gespräch über Nachhaltigkeit oder die Verwendung von Kunststoffen zu führen, oder vielleicht sogar zum ersten Mal die Frage in ihm aufkeimen lässt, woraus seine Kleidung eigentlich besteht. Allein auf Instagram hat Gucci 40 Millionen Follower. Wer weiß, wen die Kampagne erreichen wird, beeinflussen wird, wer weiß, welche Gespräche am Esstisch oder in einem Gruppenchat auf WhatsApp durch sie angeregt werden. Darauf bin ich sehr gespannt. Auch wenn der Angesprochene diese Kleidungsstücke letztendlich nicht tragen wird, erscheint mir die Kampagne als Werkzeug und Katalysator, durch den Menschen informiert werden, unheimlich wichtig.
David de Rothschild:
Da hast du vollkommen recht. Ich könnte jetzt glücklich sterben, aber vor kurzem bekam ich über LinkedIn folgende Nachricht: „Hey, ich heiße Christian und bin 19 Jahre alt. Ich bin Student, Segler und Meeresschützer. Seit ich denken kann“ – jetzt werde ich ganz rot – „sind Sie mein Vorbild. Als ich neun Jahre alt war, packte mich beim Start der Plastiki in Sausalito das Umweltschutz-Virus. Nun habe ich die NGO ‚Generation Blue‘ gegründet und entwickle die Umweltschutz-App ‚Pick It‘.“ Er war also ein Kind von neun Jahren, als er die Plastiki sah – und zehn Jahre später beschreibt er sich als Aktivist und Meeresschützer!
David de Rothschild:
Das meine ich mit Schneeballeffekt. Als man damals zu mir sagte „Du hast es geschafft, du bist in Sydney angekommen. Gut gemacht“, da antwortete ich: „Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an. Wir haben keine Vorstellung, was das bewirken wird.“ Das Gleiche gilt für Gucci. Das Unternehmen hat eine Anhängerschaft, wie ich sie nie erreichen kann. Wie du schon sagtest: 40 Millionen Menschen auf nur einer Social-Media-Plattform. Diese Marke hat so viele verschiedene Berührungspunkte. Und einer der Follower ist vielleicht ein Kind, das jemanden in Schuhen aus Recyclingmaterial sieht und in zehn Jahren vielleicht selbst Designer der nächsten coolen Marke wird, bei der alles aus Materialien aus geschlossenen Kreisläufen hergestellt und vollständig nachhaltig ist. Und die Inspiration dafür kam von einem Gespräch, das heute stattgefunden hat.
David de Rothschild:
Darin besteht für mich das Schöne an der Vernetzung. Als ich diese Nachricht bekam, konnte ich es gar nicht begreifen: Wow, der Auslöser war vor zehn Jahren! Ich habe die Plastiki ins Meer geworfen, sie hat Wellen geschlagen, und jetzt kommen diese Wellen zurück. Das ist der Grund, weshalb ich das alles tue. Wahrscheinlich bist du aus demselben Grund Lehrerin. Weil du sehen möchtest, wie aus dem Samenkorn, das du einpflanzt, etwas Zauberhaftes wächst. Darum geht es bei dem Gedanken vom Kreislauf des Lebens. Es geht darum, Träume zu haben, die größer sind als man selbst. Das Samenkorn eines harmonischen Lebens mit anderen Menschen und der Natur einzupflanzen. In einer symbiotischen Beziehung zueinander zu leben, in der Vernetzung und Vielfalt allen wichtig sind und daraus etwas Zauberhaftes erwächst. Wenn wir dagegen ausschließen, abtrennen, spalten und die Angst über die Neugierde stellen, dann geraten wir in den Strudel der Verzweiflung und all der Dinge, die wir um jeden Preis vermeiden sollten.
Sinéad Burke:
David, welchen Rat würdest du Zuhörern geben, die nicht so mutig oder neugierig sind wie du oder auch ich? Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Dinge, die wir für unmöglich halten, nur deshalb unmöglich sind, weil das Gegenteil noch nicht existiert, sich noch nicht entwickeln konnte oder wir noch nicht darüber nachgedacht haben. Welchen Rat würdest du aber denjenigen Zuhörern geben, die nicht das Privileg oder Glück hatten, unter Menschen aufzuwachsen, die sie zu Neugierde ermutigen? Welche Werkzeuge oder welchen Rahmen würdest du ihnen geben, damit sie sich das Körnchen der Neugierde, das in ihnen ist, erhalten und es zum Wachsen bringen?
David de Rothschild:
Ich würde sagen, dass jeder alle Werkzeuge und das gesamte Potenzial in sich trägt. Ich glaube, wir müssen einfach viel mehr an uns glauben. Das Rauschen ausblenden: Woher man auch kommt, wo und wie auch immer man lebt, in welchem Teil der Gesellschaft, das Rauschen ist enorm. Wir müssen alle zurück zu dieser animalischen Intuition, zurück zu diesem intuitiven Wesen, das wir alle sind. Alles, was wir brauchen, um unser menschliches Potenzial freizusetzen, tragen wir in uns. Es geht also darum, sich im Glauben an sich selbst zu bestärken, sich zu sagen, dass man vielleicht nicht den Mut besitzt, aber unbeirrt an sich glauben und sich selbst vertrauen wird. Man muss daran glauben, dass man die richtigen Werkzeuge besitzt, dass man mit ihnen sein Ziel erreichen wird, dass man dort ankommen wird, wo man hinmöchte.
David de Rothschild:
Diese Vision muss man projizieren, vor sich selbst aufstellen, vielleicht sogar wortwörtlich – sie aufschreiben oder ausdrucken. Was auch immer du erreichen willst, du hast es in dir. Wir leben jedoch in einer Gesellschaft, in der man uns sagt: „Du kannst das nicht, du bist nicht gut genug.“ Wenn jemand sagt, dass ich etwas nicht kann, dann ist das für mich eigentlich die beste Motivation. Dann mache ich es, einfach um zu beweisen, dass ich recht hatte und es doch kann. Hartnäckig sein, immer wieder. „Das schafft David nie und nimmer“ – als ich die Plastiki zum ersten Mal erwähnte und sagte, ich würde ein Boot aus Plastikflaschen bauen, hielten mich alle für einen Idioten. „Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe. Das wird nie funktionieren.“ Diese Worte waren alles, was ich brauchte.
David de Rothschild:
Seit acht Jahren arbeite ich an einem anderen Projekt, und immer, wenn ich denke, ich habe etwas erreicht, geht es schief. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen, ich mache weiter. Wenn du Arbeit hineinsteckst, Arbeit an dir selbst und an der Vision, und all das Geschwätz, das Rauschen ausblendest – denn die Kritik der anderen an deiner Fähigkeit, dein Ziel zu erreichen, beruht auf Angst, und wenn du erkennst, dass es die Angst der anderen und nicht deine eigene ist, und diese Stimmen, dieses Rauschen ausklammerst und an dich glaubst – dann kannst du alles erreichen. Denn der Mensch, das Potenzial des Menschen, ist endlos. Das Einzige, was uns aufhält, ist, dass wir uns selbst ausbremsen.
David de Rothschild:
Das Einzige, was uns aufhält, sind die Stimmen, die uns einreden, dass wir etwas nicht können, und unsere Vorstellungen. Daher müssen wir unsere Vorstellungskraft entfesseln, das Rauschen ausblenden und dem inneren Kind, der inneren Stimme lauschen. Wenn man zu dieser Stimme des inneren Kindes zurückkehrt, ist alles möglich.
Sinéad Burke:
David, das war ein wirklich fesselndes Gespräch. Wenn ich mich für einen neugierigen Menschen gehalten hatte, weiß ich jetzt, dass ich da noch ein bisschen üben muss. Ich danke dir ganz herzlich.
David de Rothschild:
Ich danke dir, es war mir eine große Ehre. Du hast mich dazu inspiriert, weiterzudenken und meine Neugierde immer weiter voranzutreiben. Ich freue mich auf das nächste Mal, wenn ich neue Geschichten zu erzählen habe.
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In einer neuen Folge des Gucci Podcast spricht Umweltschützer David de Rothschild mit Aktivistin Sinéad Burke über Nachhaltigkeit und darüber, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben.Neugierde ist menschlich
 

In einer neuen Folge des Gucci Podcast spricht Umweltschützer David de Rothschild mit Aktivistin Sinéad Burke über Nachhaltigkeit und darüber, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben.Neugierde ist menschlich
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